
Episode #78
Supplements #78: Glucosamin und Chondroitin, was die sauberen Studien übrig lassen
Du kippst Ziegelsteine und Mörtel vor eine bröckelnde Hauswand und wartest darauf, dass sich die Mauer selbst repariert. Genau so funktioniert die Werbeidee hinter Glucosamin und Chondroitin. Sechs von zehn Menschen in der größten Einzelstudie berichteten eine spürbare Besserung, und zwar in der Placebogruppe. Diese Folge zerlegt das meistverkaufte Gelenkmittel der Welt. Der beworbene Wirkmechanismus stammt aus Zellkulturen und dem Tiermodell, im lebenden Menschen ist er bisher nicht nachgewiesen. Und die Studien, die einen Effekt finden, unterscheiden sich von denen, die keinen finden, vor allem in einem Punkt: wer sie bezahlt hat. Warum der Effekt auf ein Viertel schrumpft, sobald man nur die methodisch sauberen Studien zählt Was hundertfach zu wenig Wirkstoff im Blut für die Reparaturidee bedeutet Warum ein viertel Millimeter Gelenkspalt in drei Jahren niemand im Alltag spürt Blutverdünner, Leber, grüner Star: wer vor der Einnahme wirklich nachfragen sollte ❌ Was die deutsche Leitlinie von zweitausendfünfundzwanzig zu Glucosamin sagt Der Hebel, der in den Studien tatsächlich wirkt und nichts kostet Wenn du eine Dose davon im Schrank stehen hast, lohnt sich die Frage, was du dir davon eigentlich versprichst. *Hinweis: Die hier bereitgestellten Analysen ordnen die aktuelle Studienlage ein und ersetzen keine individuelle ärztliche, therapeutische, psychologische, ernährungsmedizinische oder physiotherapeutische Beratung.* Quellen: AkdÄ, 2025: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose. Arzneiverordnung in der Praxis 52(2). Leitlinie, frei zugänglich. https://www.akdae.de/fileadmin/user_upload/akdae/Arzneimitteltherapie/AVP/Artikel/2025-02/118.pdf Wandel S. u. a., 2010: Netzwerk-Metaanalyse, BMJ 341:c4675. Zehn Studien, 3803 Patienten, sieben herstellerfinanziert. Frei zugängliches Volltextabstract des britischen CRD. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK79541/ Eriksen P. u. a., 2014: Risk of bias and brand explain the observed inconsistency in trials on glucosamine. Arthritis Care and Research 66(12), Seite 1844 bis 1855. Frei lesbares Volltextabstract im Repositorium der Universität Kopenhagen, Verlagsfassung kostenpflichtig. https://researchprofiles.ku.dk/en/publications/risk-of-bias-and-brand-explain-the-observed-inconsistency-in-tria/ Clegg D. u. a., 2006: GAIT, N Engl J Med 354(8). Referat des Center for Drug Policy, University of Wisconsin Hospitals and Clinics. 1583 Patienten, Ansprechrate der Placebogruppe 60,1 Prozent. https://cdn.ymaws.com/www.wsparx.org/resource/resmgr/imported/iRx-WA-GAIT.pdf Reginster J. u. a., 2001, Lancet 357:251, und Pavelka K. u. a., 2002, Arch Intern Med 162:2113. Referat mit Zahlen, Johns Hopkins Arthritis Center. Beide Studien liefen drei Jahre und wurden vom selben Hersteller finanziert. https://www.hopkinsarthritis.org/arthritis-news/glucosamine-sulphate-for-the-treatment-of-osteoarthritis-news-summary-from-johns-hopkins-arthritis/ Esfandiari H. u. a., 2017: Effect of glucosamine on intraocular pressure. A randomized clinical trial, Eye 31(3), Seite 389 bis 394. 88 Arthrose-Patienten. Abstract frei lesbar, Volltext kostenpflichtig. https://www.nature.com/articles/eye2016221 University of Florida, McKnight Brain Institute, 9. Juni 2026: Auswertung von Patientenakten zu Glucosamin und Demenzverlauf, veröffentlicht in Nature Metabolism. Einschränkung: retrospektiv, laut Autoren vorläufig und ohne Kausalnachweis. https://mbi.ufl.edu/2026/06/09/study-links-joint-pain-supplement-to-accelerating-dementia/ Čeh T. und Šarabon N., 2023: Effects of adding glucosamine or glucosamine combined with chondroitin to exercise. Systematische Übersicht und Metaanalyse, European Journal of Translational Myology 33(4). Sechs Studien, 297 Teilnehmende. Open Access. https://www.pagepressjournals.org/index.php/bam/article/view/12013

