
Episode #40
Der Tagansky-Maniac
---werbung--- 3.504 Shops mit Cashback https://klick.short.gy/CashBack BALD AUCH MIT AMAZON! ---werbung--- â€ïž Danke fĂŒr deine UnterstĂŒtzung! Jede Folge kostet Zeit und Herzblut. Wenn dir der Podcast gefĂ€llt, freue ich mich ĂŒber ein kleines Trinkgeld. Schon der Preis eines Kaffees macht einen Unterschied. â Kaffee ausgeben: klick hier Ein Winterabend, der alles verĂ€nderte Als die Ermittler am 28. Dezember 1977 die Wohnung des 22-jĂ€hrigen Andrei Evseev betraten, fanden sie zunĂ€chst kaum etwas, das auf einen der meistgesuchten Gewaltverbrecher der Sowjetunion hindeutete. Die RĂ€ume wirkten unscheinbar. Doch zwischen alltĂ€glichen GegenstĂ€nden stieĂen sie auf ein Hundehalsband â spĂ€ter identifiziert als Eigentum eines Mordopfers. Von Schmuck fehlte jede Spur. Erst Tage spĂ€ter brachte eine beilĂ€ufige Bemerkung des Festgenommenen die Ermittlungen entscheidend voran. GegenĂŒber einem Zellengenossen sagte Evseev, seine Mutter werde wohl inzwischen âKuchen mit Schmuck backenâ. Der Mitgefangene arbeitete als Informant. Die Ermittler kehrten zurĂŒck. TatsĂ€chlich entdeckten sie die gestohlenen WertgegenstĂ€nde in einem Mehlsack versteckt. Damit endete eine mehrjĂ€hrige Mordserie, die Moskau und das Umland in den 1970er-Jahren erschĂŒttert hatte. Ein TĂ€ter, den Ăberlebende als höflich wirkenden jungen Mann mit Koteletten und freundlichen Augen beschrieben hatten, gestand schlieĂlich neun Morde, zahlreiche weitere Gewalttaten und Dutzende RaubĂŒberfĂ€lle. Ein unstetes Leben Andrei Nikolajewitsch Evseev wurde 1955 im Moskauer Gebiet geboren. Seine Schulzeit endete frĂŒh. Nach der siebten Klasse wechselte er zwischen verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, unter anderem als Modell, Laborassistent und Matrose. Bereits als junger Mann wurde er zeitweise psychiatrisch behandelt. SpĂ€ter schilderte er diese Zeit als traumatisch und belastend. Nach auĂen fĂŒhrte Evseev kein Leben, das ihn automatisch in den Fokus der Behörden gerĂŒckt hĂ€tte. Er bewegte sich unauffĂ€llig durch den sowjetischen Alltag. Hinter dieser Fassade entwickelte sich jedoch eine Serie extremer Gewalttaten, deren Muster zunĂ€chst niemand erkannte. Die ersten Morde Im August 1974 wurde im damaligen Zagorsk eine 16-jĂ€hrige SchĂŒlerin erstochen. Nur einen Tag spĂ€ter fiel ein Ă€lterer Koch einem weiteren Messerangriff zum Opfer. Der TĂ€ter entwendete neben Geld sogar Lebensmittel â darunter ein HĂ€hnchen und in der damaligen Sowjetunion seltene importierte Pfirsiche. Die Ermittlungen verliefen zunĂ€chst in die falsche Richtung. Ein junger Soldat geriet unter Verdacht und legte sogar ein GestĂ€ndnis ab, das sich spĂ€ter als unhaltbar erwies. WĂ€hrenddessen blieb der eigentliche TĂ€ter unbehelligt und setzte seine Taten fort. Ein TĂ€ter ohne klares Muster In den folgenden Wochen hĂ€uften sich Messerangriffe in Moskau. Einige Opfer ĂŒberlebten schwer verletzt und beschrieben unabhĂ€ngig voneinander denselben Mann. Mehrere Frauen trugen rote Kleidung. In der Bevölkerung entstand deshalb der Eindruck, ein Serienmörder habe es gezielt auf Frauen in Rot abgesehen. Dieser Beiname verbreitete sich schnell. TatsĂ€chlich griff Evseev spĂ€ter jedoch auch Menschen an, die dieses Merkmal nicht aufwiesen. Das vermeintliche Muster erwies sich als unzuverlĂ€ssig. Seine Opfer wurden ĂŒberwiegend ausgeraubt. Manche starben sofort, andere erlagen spĂ€ter ihren Verletzungen. Ein Student ĂŒberlebte ebenso wie mehrere weitere Angegriffene und lieferte wichtige TĂ€terbeschreibungen. Der Versuch, die Ermittler zu tĂ€uschen Besonders ungewöhnlich war ein Mord im September 1974. Das Opfer Ă€hnelte Evseev Ă€uĂerlich stark und hatte viele Jahre im GefĂ€ngnis verbracht. Nach den Ermittlungen zog der TĂ€ter dem Getöteten seine eigene Kleidung an, offenbar um den Eindruck zu erwecken, der Gesuchte sei selbst tot. TatsĂ€chlich beschĂ€ftigten sich die Ermittler zeitweise mit genau dieser Möglichkeit. Der Plan verzögerte die AufklĂ€rung erheblich und zeigte, dass Evseev seine Taten nicht impulsiv, sondern teilweise mit erheblicher Berechnung ausfĂŒhrte. Angst in der Hauptstadt Im Oktober 1974 eskalierte die Situation. Innerhalb kurzer Zeit kam es zu mehreren ĂberfĂ€llen im Tagansky-Bezirk sowie an verschiedenen Metrostationen. Die Angriffe folgten dicht aufeinander. Mehrere Menschen starben. Die Unsicherheit in Moskau wuchs. Der Fall erhielt enorme Aufmerksamkeit innerhalb der sowjetischen Sicherheitsbehörden. Die Sorge war so groĂ, dass sich Innenminister Nikolai Schtschelokow öffentlich an die Bevölkerung wandte und zu besonderer Vorsicht aufrief â ein auĂergewöhnlicher Schritt fĂŒr einen Staat, der SerienkriminalitĂ€t nur ungern öffentlich thematisierte. Nach dieser ungewöhnlichen Warnung verschwanden die Angriffe zunĂ€chst fast vollstĂ€ndig. Rund zwei Jahre lang blieb es vergleichsweise ruhig. Ermittler gingen spĂ€ter davon aus, dass die verstĂ€rkte Fahndung und die öffentliche Aufmerksamkeit den TĂ€ter verunsichert hatten. Die RĂŒckkehr 1976 tauchte Evseev erneut auf. Wieder kam es zu RaubĂŒberfĂ€llen, von denen einige tödlich endeten. 1977 erreichte die Gewalt einen neuen Höhepunkt. Unter den Opfern befand sich Lydia Kuprijanowa, die Ehefrau des bekannten sowjetischen KĂŒnstlers Michail Kuprijanow. Nach den Ermittlungen missbrauchte Evseev ihr Opfer nach dessen Tod â das einzige öffentlich dokumentierte Sexualdelikt seiner Mordserie. Nur wenige Wochen spĂ€ter tötete er eine weitere Frau in Sofrino. Diesmal beobachteten Zeugen einen verdĂ€chtigen Mann. Die Aussagen fĂŒhrten zunĂ€chst zu einem anderen VerdĂ€chtigen, der jedoch glaubhaft erklĂ€ren konnte, wie er an die belastende Kleidung gelangt war. Erst weitere Hinweise brachten die Ermittler schlieĂlich auf Evseev. Die entscheidenden Spuren Ein Zeuge erinnerte sich an einen Mann in Eisenbahneruniform. Die Ermittler verglichen vorhandene Personalunterlagen und stieĂen dabei auf Evseev, der bereits kriminalpolizeilich bekannt war. Seine Festnahme erfolgte kurz vor dem Jahreswechsel 1977. WĂ€hrend der Verhöre verweigerte Evseev zunĂ€chst jede Aussage. Berichten zufolge erklĂ€rte er sich erst zur Kooperation bereit, nachdem ihm gesalzener Hering gebracht worden war, den er vollstĂ€ndig â einschlieĂlich der GrĂ€ten â verzehrte. SchlieĂlich legte er umfassende GestĂ€ndnisse ab. Nach den Ermittlungen war er fĂŒr neun Morde, zahlreiche Mordversuche, einen Fall sexueller Gewalt an einer bereits getöteten Person sowie mehr als dreiĂig RaubĂŒberfĂ€lle verantwortlich. Psychiatrische Begutachtung und Prozess SachverstĂ€ndige untersuchten den Angeklagten psychiatrisch. Sie diagnostizierten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, kamen jedoch zu dem Schluss, dass Evseev schuldfĂ€hig war. Reue zeigte er nach den ĂŒberlieferten Aussagen nicht. Stattdessen Ă€uĂerte er Verachtung gegenĂŒber Menschen, die ein gewöhnliches Arbeitsleben fĂŒhrten. Selbst wĂ€hrend der Untersuchungshaft soll er groĂen Wert auf körperliche Fitness gelegt und tĂ€glich trainiert haben. 1979 verurteilte ein sowjetisches Gericht Andrei Evseev zum Tode. Das Urteil wurde noch im selben Jahr durch ErschieĂung vollstreckt. Ein Fall mit bleibender Wirkung Der Fall Evseev gehört zu den bekanntesten SerienmordfĂ€llen der sowjetischen Kriminalgeschichte. Er machte deutlich, wie schwierig die Fahndung nach einem mobilen EinzeltĂ€ter in einer Zeit ohne moderne DNA-Analysen, digitale Datenbanken oder flĂ€chendeckende VideoĂŒberwachung war. Zugleich zeigte der Fall die Grenzen des sowjetischen Informationssystems. Serienmorde passten nicht in das offizielle Selbstbild eines Staates, der KriminalitĂ€t hĂ€ufig als Randerscheinung darstellte. Umso auĂergewöhnlicher war die öffentliche Warnung des Innenministers â ein EingestĂ€ndnis, dass die Behörden den TĂ€ter ĂŒber Jahre nicht stoppen konnten. Bis heute bleibt Andrei Evseev als âTagansky-Maniacâ Teil zahlreicher kriminalhistorischer Analysen und Dokumentationen. Weniger wegen der Zahl seiner Taten als wegen der Kombination aus scheinbarer UnauffĂ€lligkeit, jahrelanger Fahndung und einer Mordserie, die eine Millionenstadt in Angst versetzte.

