
Episode #133
#133 Pakistan – Zu viel von allem
Pakistan – mein 97. Land – war ein intensiver Trip voller Überraschungen. Ursprünglich wollte ich nur kurz für drei Nächte nach Karatschi, da es auf meiner Route von Katar nach Sri Lanka lag. Ich hatte das Bild einer lauten, dreckigen Riesencity im Kopf. Islamabad soll zwar schöner sein, lag für mich aber geografisch ungünstig. Schon die Anreise war chaotisch: Für mein Visum saß ich dreieinhalb Stunden am Antrag, da unzählige Daten wie all meine Reiseziele der letzten Jahre verlangt wurden. Wegen einer unpraktischen Ankunftszeit um 1:50 Uhr nachts buchte ich für stolze 120 Euro eine zusätzliche Nacht in einem Fünf-Sterne-Airport-Hotel. Am Flughafen erwartete mich eine Welle der Überraschung: Um 2 Uhr nachts standen dort gefühlt 2.000 wartende Menschen. Als hochgewachsener, hellhäutiger Mann wurde ich wie ein Filmstar begrüßt und angewinkt. Geld abheben klappte an drei Automaten nicht, weshalb ich zunächst ohne Bargeld dastand. Die Sicherheitsvorkehrungen am Hotel waren surreal: Sechs Wachen mit Kalaschnikows, doppelte Schranken und Metalldetektoren am Eingang. Am nächsten Morgen konnte ich schließlich 150 Euro an der Rezeption wechseln. Kulinarisch war die Reise ein absolutes Highlight. Das Frühstücks-Curry im Luxushotel war das leckerste, das ich je gegessen habe – die Messlatte für indisch-pakistanisches Essen liegt für mich nun extrem hoch. Anschließend zog ich in ein ruhigeres Hotel im Viertel Clifton um. Von Karatschi selbst sah ich vor allem chaotischen Verkehr, unüberquerbare Straßen und schwer verständliche Akzente. Mit der App inDrive konnte ich Fahrten per Tuk-Tuk und Taxi immerhin brauchbar verhandeln. Die Menschen erlebte ich unerwartet dezent und respektvoll. Besonders die Frauen fielen mir durch ihre faszinierende, ausdrucksstarke Ausstrahlung auf. Kleidungsmäßig dominierten traditionelle Gewänder. Sightseeing bot gemischte Eindrücke: Die britische Frere Hall beeindruckte von außen. Bei einem historischen Kolonialhaus geriet ich in eine viel zu kurze, zwei-Minuten-Führung und sah mich überall mit schwer bewaffneten Sicherheitskräften konfrontiert. Am Empress Market staunte ich über die Architektur, während ich am Mausoleum Mazar-e-Quaid wegen der Sorge um meine teuren Schuhe lieber draußen blieb – bis mich das Sicherheitspersonal versehentlich doch mit Schuhen durch die Anlage schleuste. Im Atrium Shopping Center genoss ich köstliches lokales Essen für unschlagbare 1,19 Euro. Am dritten Tag besuchte ich den beeindruckenden Mohatta Palace . Doch nach all den Stationen spürte ich eine deutliche Museums-Müdigkeit: Irgendwann ähnelt sich Kulturgeschichtliches stark. Mein Fazit: Karatschi war extrem, streckenweise anstrengend, aber definitiv eine prägende Erfahrung.

