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Zusammenfassung Nach der römischen Überlieferung sind Romulus und Remus Zwillinge, die als Söhne des Kriegsgottes Mars und der Vestalin Rhea Silvia gelten. Ihr Großvater Numitor war König von Alba Longa, wurde aber von seinem Bruder Amulius vertrieben, der Rhea Silvia zur Jungfrau des Vestaordens machte. Als Mars Rhea Silvia besuchte, gebar sie die Zwillinge, die auf Befehl des Amulius im Tiber ausgesetzt wurden. Eine Wölfin rettete sie und Faustulus, ein Schweinehirte, zog sie auf. Als Erwachsene erfuhren sie ihre Herkunft, töteten Amulius und setzten Numitor wieder ein. Sie gründeten daraufhin eine neue Stadt (Rom), gerieten aber in Streit über den Namensgeber. Einer Version zufolge verspottete Remus den noch im Bau befindlichen Wall Romulus’ und sprang darüber, worauf Romulus ihn erschlug mit den Worten „So möge es jedem ergehen, der über meine Mauern springt!“. Dieser dramatische Bruderkampf wird in den Quellen ausführlich geschildert (u. a. Livius, Plutarch, Dionysios) und dient zugleich als Gründungsmythos Roms. Archäologische Befunde – etwa die Casa Romuli auf dem Palatin und spätgefundene Keramikreste – bestätigen eine erste Siedlung auf dem Palatin im 8. Jh. v. Chr. und legen nahe, dass Romulus als fiktiver Gründer stellvertretend für einen realen Siedlungsprozess gedacht sein könnte. Moderne Wissenschaft sieht in der Ermordung des Remus vielleicht Symbole für Kult oder Herrschaft: So fand man bei jüngsten Ausgrabungen Überreste eines Menschenopfers unter den einstigen Stadtmauern. Obgleich der Tod des Remus historisch nicht verifizierbar ist, spiegelt die Legende wichtige römische Grundvorstellungen wider: die Heiligkeit von Grenzen, die göttliche Vorsehung und den Preis, den man für den königlichen Herrschaftsanspruch zahlt. Dramatische Einleitung Dunkelheit liegt über den Hügeln des alten Latiums. Im Licht eines fahlen Morgensterns fließt leise der Tiber, das Wasser über einem Floß rasch bewegt. Zwei neugeborene Jungen schlummern darin – von Menschenhänden ausgesetzt, vom Schicksal betrogen. Der kalte Wind des Schicksals treibt sie an den Fuß des Palatin, wo schon bald eine Wölfin ihre sanfte Schnauze über sie senkt und ihre hungrigen Münder säugt. Ein Mythos nimmt seinen Lauf… So schildern uns antike Historiker und Dichter den Anfang der Saga von Romulus und Remus. Aus dieser wilden Szene taucht die Idee auf, dass ein neues Volk geboren werden soll – Roms Mythos selbst. Doch dieser Mythos ist von Anfang an von Blut durchzogen: Geboren im Zorn Amulius’, gerettet vom Tier, herangereift im Geheimen, finden die Brüder ihre Bestimmung im Kampf. Keiner ahnt, dass jener Kampf bald ihr Ende bedeuten wird. (Dramatischer Spannungsaufbau: leise, ehrfürchtig beginnen; Stimme wird lebhafter, wenn die Wendung erzählt wird.) Historische Erzählung (chronologisch) Nach den Quellen gehörte Romulus und Remus eine königliche Abstammung. Ihre Mutter Rhea Silvia war Tochter des Numitor, des rechtmäßigen Königs von Alba Longa (einer alten Stadt der Latiner), und wurde von Numitors Bruder Amulius zur Vestalin gemacht. So sollte keiner ihrer Söhne Amulius’ Herrschaft bedrohen. Doch Mars, der Kriegsgott, näherte sich dem Tempel Rhea Silvias – in manchen Versionen als Vergewaltigung, in anderen als göttliche Verführung – und Rhea Silvia gebar zwei Söhne. Amulius fürchtete die Prophezeiung und befahl, die Babys im Tiber auszusetzen. Die Kinder überlebten auf wundersame Weise. Der Sage nach verirrte sich das Weidenkörbchen mit den Zwillingen ins Schilf am Palatin, und dort säugte sie eine Wölfin. Später fand sie der Schäfer Faustulus, der die Jungen heimlich mit seiner Frau Acca Larentia aufnahm. Die Zwillinge wuchsen als Hirten heran, ohne ihre wahre Herkunft zu kennen. Ihre außergewöhnliche Statur und Tapferkeit machte sie in Numitors Umgebung rasch bekannt. Mit etwa 18 Jahren geschahen entscheidende Wendungen: Ein Streit mit Numitors Herden führte zur Gefangennahme Remus’ und zu dessen Übergabe an Numitor. In Numitors Palast erkannte man b
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